Ein persönlicher Nachruf
 
Wie ich heute leider lesen musste, ist der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky am 30. August gestorben. Diese Nachricht kommt nicht überraschend, doch sie trifft mich und macht mich traurig. Ich hatte seit unserem persönlichen Kennenlernen anlässlich des "Wolfstags" in der Dübener Heide vor drei Jahren immer wieder mal Kontakt mit ihm. Beim letzten Mal schrieb er, dass es wohl nicht mehr lange bei ihm gehen wird. Ganz persönlich durch unser Kennenlernen, aber auch als kompetetente Stimme in Sachen Wolf, Jagd und Naturschutz, wird er mir fehlen. Bei allen Wolfsereignissen der letzten Zeit habe ich immer gerne auf seine Webseite Woelfeindeutschland geschaut, um zu lesen, wie er die Sache sieht.
 
Wotsch, wie ihn Freunde nannten - und ich bin ziemlich stolz darauf, dass er mir diese Anrede anbot - arbeitete als Förster im Nationalpark Bayrischer Wald, machte sich später selbstständig und forschte in Deutschland, Südtirol und vielen anderen Ländern zu Rehen, Gämsen und Rothirschen. Mir fiel er erstmals auf, als er in der Zeitschrift Natur Mitte der 1980er Jahre sich ausführlich mit einem zeitgemäßen Management für das Rotwild befasste und es dabei fertig brachte, die Gesichtspunkte Naturschutz, Jagd, Tourismus und Walderhaltung zusammen zu denken. Einige Zeit später veröffentliche er in der selben Zeitschrift einen Brief an seinen Sohn, in dem er begründet, weshalb die Jagd ihn so fasziniert. Wenngleich ich selbst nicht zur Jagd gehe, begleitete mich dieser Text durch alle Jahre und trägt sehr viel dazu bei, dass ich in vielen Gesprächen immer wieder einen guten Zugang zu vielen Jägern finden kann. Dass er neuerdings vielen aus und in der Jagd nicht mehr so grün ist, erlebte ich in der Dübener Heide, wo er die ablehnende Haltung, die von dieser Seite gegenüber dem Wolf an den Tag gelegt wird, massiv anprangerte. Wölfe und andere große Raubtiere füllten einen weiteren Schaffensabschnitt von Wotsch aus. Von ihm stammt die Studie Wölfe und Jäger in der Oberlausitz die er im Auftrag der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e. V. erstellte. Jahrelang reiste er in den späten Wintermonaten ins kanadische Yukon-Territory und unterstütze seinen Freund Bob Hayes bei dessen Studien zum Einfluss der Wölfe auf Elche, Wapities, Karibus und Dickhornschafe. Diese Touren machte er noch mit über 70 Jahren. Als ich vor drei Jahren bei ihm anfragte, ob er zum "Wolfstag" in die Dübener Heide kommen wolle, meinte er auf die Frage nach der Unterkunft, ihm reiche auch ein Zelt oder eine Hütte. Ja, ich glaube, er war genau das, was früher oft Waldläufer genannt wurde, dazu knorrig, eigenwillig und streitbar. Mir imponierte er sogleich.     
 
Ich nehme das Wirken von Wotsch als Ansporn, um in seinem Sinne weiter zu machen.
 
viele Grüße
 
Andreas
 

An dieser Stelle finden Sie in unregelmäßigen Abständen Meinungs- und Diskussionsbeiträge von mir und ich freue mich über Resonanz und Anregung.

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